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“Dabeisein ist alles” - ein herausfordernder und besonderer Workshop

von: Ensemble-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 21. April 2026

What do you want - was willst du? What is your secret thought - was ist dein geheimer Gedanke? What are you scared of - Wovor hast du Angst? Diese Fragen und viele mehr stellen sich die Minotauren im Workshop zum Thema “Belonging”, also Zugehörigkeit und Verbundenheit. Unter dem Titel “Dabeisein ist alles” führt der kanadische Begründer des “Theater zum Leben” David Diamond das Ensemble durch einen intensiven und emotionalen sechstägigen Workshop, der in einem interaktiven Forumtheater am 31.03.26 mündet.

Mit interaktivem Forumtheater ist Folgendes gemeint: Wir präsentieren Szenen, die wir entwickelt haben und die in einem Konflikt enden, also keine Lösung haben. Im Anschluss spielen wir die Szenen erneut. Diesmal werden die Zuschauer*innen darum gebeten, “Stopp!” zu rufen und eine Figur aus der Szene zu ersetzen, wenn sie sich in diese Figur einfühlen können. Die Aufgabe besteht darin, eine minimale Veränderung der Szene zu ermöglichen. Der Konflikt soll nicht von Zauberhand gelöst werden, aber der/die Zuschauer*in hat die Aufgabe, auf die Lösung oder zumindest Entschärfung des Konflikts hinzuarbeiten.

Basierend auf dem “Theater der Unterdrückten” von Augusto Boal entwickelte David Diamond die Methode des “Theater zum Leben” (“theatre for living”). Er schrieb ein Buch über diese theaterpädagogische Methode, die den Grundbaustein für unseren Workshop “Dabeisein ist alles” gebildet hat. Unser künstlerischer Leiter Moritz Schilk greift in unserem Probenalltag sehr oft auf das Theater zum Leben zurück und baut Übungen und Gedankenanstöße der Methode ein.

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Ein zentrales Ziel des “Theater zum Leben” ist es, einer bestimmten Gemeinschaft oder Gruppe die Möglichkeit zu geben, sich auszudrücken. “Wenn wir uns als Individuen nicht ausdrücken können, werden wir krank”, erklärt David Diamond während des Workshops. “Genau so ist es mit einer Gemeinschaft.” Unser Schauspieler Reinhard Lagrain nimmt viel von der Methode mit: “Es hat mir viel Spaß gemacht, ich habe viele Erfahrungen aus dem Workshop gesammelt. Ich habe aufgrund des Workshops sogar das Buch “Theater zum Leben” gekauft. Und ich habe ein tolles Interview mit David auf Englisch geführt.”

Der Workshop hat sich auf sechs Tage verteilt: an den ersten drei Tagen haben wir vor allem Theater- und Vertrauensübungen durchgeführt, um uns auf die Entwicklung des sogenannten “Power Plays”, also der Aufführung des interaktiven Forumtheaters, vorzubereiten. Die Schauspielerin Hannah Kiesbye beschreibt, was sie am Workshop besonders fand: “Inklusion und Vertrauen in Übungen. Und die Szenen, die wir entwickelt haben.”

Am vierten Tag des Workshops ging die Szenenarbeit los: Die Minotauren sollten sich in eine Situation einfühlen, in denen sie Schwierigkeiten mit den Themen Zugehörigkeit und Verbundenheit hatten und sich auf die damit verbundene Emotion konzentrieren. Basierend auf diesen Emotionen haben sie sich in Gruppen zusammengefunden und Szenen entwickelt. Wichtig war dabei, dass man sich auch dagegen entscheiden durfte, an der Aufführung am sechsten Tag teilzunehmen, wenn einem das zu viel war. Sechs unserer Schauspieler*innen, darunter auch Natalie Pieper, haben sich dafür entschieden, in den Szenen beim Forumtheater mitzuspielen. Sie erklärt, warum das für sie eine Herausforderung war: “Weil ich nicht mehr die Kontrolle über das, was auf der Bühne geschieht, habe. Ich weiß ja nicht, was das Publikum macht.”

Von großer Bedeutung war es, dass die Szenen von der gesamten Gruppe und nicht von einzelnen Personen kommen. Erst am fünften Tag fand der Feinschliff der Szenen statt und erst hier hat David Diamond Regie geführt, damit die Szenen auch wirklich von den Minotauren selbst entwickelt werden. Dadurch, dass die Schaupieler*innen die Szenenarbeit auf ihren eigenen Erfahrungen basieren sollten, kamen viele Erinnerungen und Emotionen hoch. Unser Schauspieler Mattes Klatt beschreibt, wie emotional der Workshop für ihn war: “Der Workshop war für mich eine sehr emotionale und wertvolle Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde.” So ging es allen Workshopteilnehmenden. Auch Natalie betont: “Für mich war das sehr emotional und ich hätte nicht gedacht, dass Theater so emotional ist.”

Bus szene

Durchgehend war der enorme Druck, die Szenen in so kurzer Zeit zu entwickeln, sehr präsent. Bailey Chaabo erklärt, wie intensiv der Workshop war: “Es war auch wirklich eine Herausforderung, die Sachen in den sechs Tagen zu entwickeln.”

Da David aus Kanada zu uns gekommen ist, musste zudem durchgehend alles Gesagte für ihn ins Englische übersetzt werden und das, was er gesagt hat, für alle anderen ins Deutsche. “Es war eine Besonderheit für uns, dass jemand aus Kanada hier war. Das war auch eine Herausforderung mit der Übersetzung”, ergänzt Bailey. In unserem Closing Circle (Abschlusskreis) abends hieß es meistens: “Heute war ein wirklich guter und effektiver Tag, aber jetzt bin ich sehr müde und erschöpft.”

Am 31. März, unserem sechsten Workshop-Tag, war es dann endlich so weit: das interaktive Forumtheater stand an. Wir hatten zwei fertige Szenen, die sich mit Schwierigkeiten in Bezug auf Zugehörigkeit und Verbundenheit auseinandergesetzt haben: eine spielte im Park, die andere im Bus. Es gab ein paar letzte Durchläufe der Szenen, bevor wir hinter die Bühne gegangen sind. Die Nervosität und Aufregung sowie der Druck stiegen immer weiter an…

Park szene

Und dann ging es plötzlich los: das Forumtheater begann mit einem Standbild, das Emotionen zum Thema “Belonging” verkörpert hat. David bat das Publikum, auf die Bühne zu kommen und eine der Positionen einzunehmen, wenn man sich in eine der Körperhaltungen einfühlen kann. Wenn er eine Person an der Schulter berührte, sollte diese einen Satz sagen, der mit “Ich will…” beginnt. Wenn der Satz mit “Ich will nicht…” begann, hat David erwidert: “Das ist, was du nicht willst, wir Menschen wissen immer, was wir nicht wollen. Aber was willst du?” Es kamen so viele Personen auf die Bühne, dass wir wirklich positiv überrascht waren.

Auch in den Szenen später haben sich viele Zuschauer*innen im Forumtheater eingebracht: einige haben von ihren eigenen Erfahrungen erzählt oder sind selbst zur Improvisation auf die Bühne gekommen, um eine der Figuren zu ersetzen, deren Schwierigkeit bzw. Problem sie verstehen konnten.

Am Ende des Workshops war klar, dass alle Beteiligten sehr stolz auf sich sein können. Der Workshop war eine riesige Herausforderung, aber gleichzeitig ein voller Erfolg.

Unser Schauspieler Ralph Diekers äußert sich zu der Aufführung: “Mit unserer Szene haben wir das Publikum berührt und die Rückmeldung hat wiederum mich berührt. Das war eine sehr schöne Sache, dass die Veranstaltung so emotional war.” Auch Mattes Klatt betont: “Die Aufführung war großartig”.

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19. April 2026, Clari Müsing

Ensemble-Redaktion

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